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5.-9. August 2020
Eschwege, Germany

Open Flair Festival 2006

22. Open Flair Festival
11.08.2006 - 13.08.2006

Festival des Jahres

Nackte Momente bei Revolverheld und schwarze Zahlen

Nachdem im vergangenen Jahr das Festival mit einem Besucherrekord zu Ende gegangen war und auch in diesem Jahr ein ähnlicher Ansturm erwartet wurde, hatte sich das Organisationsteam Gedanken gemacht, wie aus der Vergangenheit gelernt und somit das Festival weiter verbessert werden konnte. Es wurde entschieden, dass das Festivalgelände 2006 nicht mehr bis zur Werra reichen sollte, so dass eine Zufahrt zu den Kleingärten erhalten blieb. Die Eingänge zum Gelände wurden auf einen breiteren Einlass an der Mangelgasse beschränkt, der Eingang an der Tränenbrücke fiel somit weg. Eine weitere Veränderung war das Wegfallen des beliebten Zeltens der kurzen Wege auf dem Sportplatz, da das Kinderprogramm nun hier seine neue Heimat, etwas abseits des Geschehens, gefunden hatte und so sicher auch einige Anwohner besänftigt wurden. Für die Camper wurden dafür aber mehr Toiletten und Duschen eingerichtet, um dem Sauberkeitsdrang der Festivalgäste gerecht zu werden. Musikalisch wurde auch wieder aufgefahren, was Rang und Namen hatte. So konnten sich die Besucher über Auftritte des jeweils Erst- und Zweitplatzierten des Bundesvision Song Contests freuen - Seeed und Revolverheld. Erstere heizten der Meute in Fußballteamstärke am Samstag als Headliner mit ihren Ska-Klängen ordentlich ein. Bei Revolverheld wurde hingegen bevorzugt das weibliche Publikum angesprochen, das sich dicht in den ersten Reihen drängte und vereinzelt die blanken Brüste sprechen ließ. 

Den Auftakt am Freitagabend machten aber die durchgeknallten Jungs der Bloodhound Gang, die sich mit ihrem Auftritt Zeit ließen, was zur Folge hatte, dass sich schon Bierbecher auf die Bühne verirrten und Peter Horn, damals Vorsitzender des Arbeitskreises Open Flair, die Zuschauer mit den Worten „Jimmy Pop ist zu fett, er passt in keinen Anzug rein. Wir haben ihm jetzt aus zwei alten Pferdedecken einen Neuen genäht. Es geht gleich los.“ beruhigen musste. Mit den Worten „Willkommen, ihr fickenden Bauern“ begrüßte Jimmy Pop das Publikum, als die Show endlich begann und das Warten ein Ende hatte. Dann aber präsentierte die Bloodhound Gang das, wofür sie bekannt war, eine berüchtigte, durchtriebene Bühnenshow, bei der alle Zuschauer auf ihre Kosten kamen. 

Den Abschluss am Sonntag sollten eigentlich Die Schröders auf der Sound-for-Nature-Bühne bilden. Da aber die Band Towers of London ihren Auftritt kurzfristig wegen Probleme mit dem Flugverkehr zwischen London und Deutschland absagen musste, sprangen Die Schröders in den Timeslot ein und versammelten auch zur früheren Uhrzeit eine feiernde Menge vor der Bühne, wo sie zwar ein ähnliches Programm wie 2004 abspielten, was aber dem Spaß keinen Abbruch gab. Damit bildete nun Turbonegro den Abschluss am Sonntagabend. Die Band, bekannt für ihre Verkleidungen und ihre Anhänger, die sogenannte „Turbojugend“, zog dann auch alle Register und ließ Lichtblitze und donnernde Klänge auf die Massen vor der Bühne niedergehen. Hinter der Bühne sorgten sie für ein Schmunzeln bei Festivalchef Alexander Feiertag. Dem wurde von Ihnen nämlich ein Sack Wäsche mit den Worten „wasch mal“ in die Hand gedrückt wurde. Da das Open Flair bekannt dafür ist, möglichst jedem Wunsch seiner Künstler zu entsprechen, wurde natürlich auch das erledigt. Und so wundert es nicht, dass auch in diesem Jahr Künstler wie Revolverheld ein Zuhause in Eschwege gefunden hatten oder Marta, Sängerin der Band Die Happy, es als das schönste Sommerfestival des Jahres bezeichnete.
Weniger gute Worte als über das Musikprogramm fanden die lokalen Medien und Zuschauer für das Kleinkunstprogramm. Erster Kritikpunkt war schon zu Beginn das kleinere Zelt als noch im Vorjahr. Aber auch das gebuchte Programm spaltete die Meinungen der Zuschauer. Während es tolle Shows und Auftritte gab. Einer davon war der von Bülent Ceylan, der durch sein Spiel mit den Klischees sehr beliebt war und so ein Comedy-Erlebnis der Extraklasse bot. Zu den positiven Auftritten gehörte aber auch die schon zur Tradition gewordene Lesung von Bernd Gieseking. Auf der anderen Seite sorgte vor allem der Auftritt von Matthias Jung, Achim Knorr und Ramona Schuhkraft für keine guten Kritiken. Scharenweise verließen die Besucher das Zelt. Dieser kleine negative Punkt in einem sonst so gut bestückten Programm konnte dem Erfolg des Festivals aber auch keinen Abbruch tun, denn mit 36.000 Besuchern verteilt über die drei Tage wurde zwar kein erneuter Besucherrekord aufgestellt, doch schwarze Zahlen schrieb man allemal.
Von Vanessa Rheinländer

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