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5.-9. August 2020
Eschwege, Germany

Open Flair Festival 1996

12. Open Flair Festival
14.06.1996 - 16.06.1996

Was ist Heimat?

Rock meets Klassik – OF so vielseitig wie nie zuvor 

So vielseitig wie nie präsentierte sich die zwölfte Auflage des Open-Flair-Festivals: Auf der einen Seite bekannte Bands und Musiker wie Marla Glen, Selig, Jazzkantine und Fool's Garden, für die allein tausende Besucher kamen, auf der anderen Seite eine gigantische Produktion von Händels Feuerwerksmusik mit klassischer Musik und einem großen Aufwand an Pyrotechnik eigens inszeniert und zusammengestellt durch eine Projektgruppe des Arbeitskreises. „Independent-Punker treffen auf Freunde der Barockmusik, Clowns treffen Wortakrobaten, Jazz-Jünger begegnen Märchenerzählern und Atheisten lauschen dem Gospel-Star beim Waldgottesdienst. Gibt es in einer Region, die nicht gerade durch ein ansteckendes Wir-Gefühl auffällt, eine schönere Vision von einer Kulturgemeinschaft?“, so beschrieb das Programmheft die Vision von der 1996-Auflage des Festivals. 

Die Werra-Rundschau griff dieses Thema auf und beschrieb das Festival in ihrer Nachberichterstattung wie folgt: „Wenn Rentner nachts um ein Uhr noch über den Platz laufen und sich die Stände anschauen, Kommunalpolitiker einträchtig neben Punks auf der Bank sitzen und Händels Feuerwerksmusik lauschen, wenn ein Heavy-Metal-Freak einem Kleingartenbesitzer, der nur mal so vorbeischauen wollte, ein Bier ausgibt, dann ist das Konzept des Open Flairs einmal mehr aufgegangen. Und es ist gelungen, Leute einander näherzubringen, die sich auf offener Straße wahrscheinlich keines Blickes gewürdigt hätten.“ Das Festival stand ganz unter dem Thema „Heimat“, ein Wort, das in Deutschland immer mit gemischten Gefühlen verbunden scheint. So beschäftigte man sich mit der Frage, was Heimat eigentlich sei oder was sie ausmache. Musikalisch schaffte das Festival den Spagat zwischen aktuellen Newcomern und beliebten Stars der Szene. Fool's Garden hatten gerade ihren Hit „Lemon Tree“ und das Nummer Eins Album „Dish of the Day“ veröffentlicht und zogen damit eher die Mainstream-Generation während Bands wie Jazzkantine oder Selig eher Sparten ansprachen. Auch das Fußball-Europameisterschaftsspiel Deutschland gegen Russland wurde live übertragen und von drei Redakteuren der Satire-Zeitschrift „Titanic“ kommentiert. 

Große Sorgen machten dem Arbeitskreis Open Flair bereits im Vorfeld die Nebenkosten, die explosionsartig gestiegen waren. Grund dafür war unter anderem die Einführung der „Ausländersteuer“ für Künstler Zudem kürzte das Land seine Zuwendungen um 10.000 Euro. Am Ende ging die Finanzierung mit null auf. Nach dem Festival machte der Arbeitskreis sich große Sorgen um den immer größer werdenden Arbeitsaufwand. Rund 350 Leute halfen beim Festival selbst mit, allerdings mussten nur 15 Mitarbeiter die Arbeit während der über das ganze Jahr laufenden Vorbereitungen leisten.  „Nach dem heutigen Kenntnisstand wird es ein Open Flair 1997 nicht geben“, hieß es nach der erfolgreichen 1996-Auflage wegen des großen Aufwands. Um das Festival sichern zu können, dachte man zum ersten Mal darüber nach, eine hauptehrenamtliche Stelle zu schaffen und suchte das Gespräch mit öffentlichen und privaten Geldgebern. Dass das Open Flair eine positive Wirkung für die wirtschaftlich gebeutelte Stadt Eschwege bedeutete und die gesamte Region wochenlang in aller Munde war, auch dank der Unterstützung des Hessischen Rundfunks, stand außer Frage. Bis spätestens September musste jedoch eine passende Lösung gefunden werden, damit, im günstigsten Falle, die Planungen für das 1997er Open Flair beginnen konnten.
Von Sonja Berg

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