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5.-9. August 2020
Eschwege, Germany

Open Flair Festival 1992

8. Open Flair Festival
21.08.1992 - 23.08.1992

Farbe bekennen

Ausländerpolitik Festival-Thema – Gallagher reißt Fans mit

Alle Jahre wieder fiebern die Eschweger dem Open-Flair-Festival entgegen. Das Event hatte sich mittlerweile zum Höhepunkt des Veranstaltungskalenders der Region etabliert. Zum Zeichen dessen dankte der damalige Landrat Dieter Brosey im Mai 1992 den ehrenamtlichen Mitarbeitern in einer Sitzung des Jugendhilfeausschusses. Neben den 15 das ganze Jahr arbeitenden Köpfen waren während des Festivals bis zu 155 ehrenamtliche Helfer am Werk, die vom Aufbau der Bühnen bis zum Kassendienst alles zum Laufen brachten. Dieses Jahr stand das Festival unter dem Thema „Farbe bekennen“ und widmete sich damit der Ausländerpolitik. Ziel war es, sich mit fremden Kulturen auseinanderzusetzen und sich über die derzeitigen Flüchtlingsbewegungen Gedanken zu machen. Unter dem Titel „Kein Platz auf dem Luxusliner MS Deutschland“ wurde das Thema Einwanderungspolitik diskutiert. Auch das kommunale Wahlrecht für Ausländer war ein Thema. Mit dem Slogan „Multi-Kulti oder was?“ zielte das Festival darauf ab, Berührungsängste mit fremden Kulturen abzubauen. 

Aufgegriffen wurde das Thema auch auf dem Festplatz, dort konnten sich die Besucher an verschiedenen Ständen durch Speisen aus fernen Ländern probieren, und Kindern wurde der Umgang mit anderen Kulturen durch einen Abenteuernachmittag als Indianer näher- gebracht. Auf dem „Markt der Begegnungen“ trafen Organisationen wie Amnesty International, der Kreisjugendring sowie Einzelschicksale von Asylbewerbern aufeinander. Wer wollte, konnte sich hier bestens informieren. Selbst die Kleinkunst beschäftigte sich mit dem Thema, Beispiel hierfür das türkische Kabarett „Gastarbeiterlos“. Eröffnet wurde das achte Open-Flair-Festival wie gewohnt in der Innenstadt durch die Performance von „Stalker“, einem Spektakel auf Stelzen. Wie heute noch immer, wird durch diese Walk-Acts die Straße zur Bühne. Highlight dieses Jahres war Charlie Encor, der als ältestes Baby der Welt in seinem aufgemotzten Kinderwagen die Innenstadt unsicher machte. Mit den Waffen eines Babys machte er unter dem lauten Dröhnen von Rap und Hardcore Jagd auf die Passanten.  Das seit Jahren beliebte Scharlatan-Theater durfte natürlich nicht fehlen und kam mit einem seiner altbewährten Stücke „Kollege kommt gleich“ zurück nach Eschwege.

Auch musikalisch wurde in diesem Jahr wieder einiges geboten. Vor allem mit der Buchung von Rory Gallagher hatte man ins Schwarze getroffen. Nach fünf Jahren trat er erstmals wieder in Deutschland auf, was 4.000 Besucher aus der ganzen Republik am Samstag ins Zelt lockte, um den „besten Gitarristen des Jahres“ hautnah zu erleben. Der irische Vollblutmusiker begann seine Karriere schon mit 15 Jahren und begeisterte die Menge mit zwei Stunden Gitarrensound. Jugendliche freuten sich dagegen vor allem auf die Band „Bobo in White Wooden Houses“, die Newcomer des Jahres, mit denen das Publikum am Freitagabend richtig auftaute. Weiter dabei war die Pop-Kultband „Jeremy Days“ mit ihrem Hit „Brand New Toys“, die allerdings die hohen Erwartungen der Besucher nicht erfüllen konnte. Das Zelt zwar voll, jedoch wurde der Sound als „zu breiig und am Publikum vorbei“ in der lokalen Presse bezeichnet. Auch 1992 gab es ein Feuerspektakel der Extraklasse. Les Lionnes, zwei weibliche Feuerartisten, zogen am Freitag jeden Blick auf sich, als sie ein überragend artistisches Tanzspiel gepaart mit zuckenden Blitzen, Feuer und Rauch auf der Freibühne präsentierten. Am nächsten Tag holten sie sich die Berliner Pyrokünstlerin Shirley Christian mit ins Boot. Zusammen setzten sie die Tränenbrücke mit pyrotechnischen Effekten in Szene und ließen so auf beiden Seiten der Werra entzückte Zuschauer zurück. 

Organisatorisch wurde das Open Flair in diesem Jahr erstmals durch ein eigenes Radioprogramm erweitert. Alle interessierten Jugendlichen waren eingeladen, zusammen einen Sendeplan für das Festival auszuarbeiten. Ausgestrahlt wurde dann im Cafézelt sowie während der Pausen auf der Bühne. Zu hören gab es neben Musik auch Interviews, Kommentare und Hintergrundinfos. Weitere Neuerung war die Einführung des Becherpfandes, um die Müllberge der letzten Jahre der Geschichte sein zu lassen.  Aufräumen mussten sie aber trotzdem.
Von Laura Müller und Vanessa Rheinländer

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