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7.-11. August 2019
Eschwege, Germany

Open Flair Festival 1990

6. Open Flair Festival
22.06.1990 - 24.06.1990

Vom Rand zur Mitte

Grenzöffnung bringt neue Qualität – Banane als Festival-Logo

Das sechste Open Flair 1990 stand in einem ganz besonderen Licht. Mit seiner unmittelbaren Nähe zur ehemaligen deutsch-deutschen Grenze war es keine Überraschung, dass die Festival-Macher den Mauerfall und die damit verbundene Grenzöffnung zum diesjährigen Thema des Festivals auserkoren. Schon im Sommer des Wendejahres 1989 hatte sich das Festival mit „BRDDR“ ein deutsch-deutsches Thema gesetzt und zahlreiche Künstler aus dem Osten Deutschlands eingeladen. Jetzt, wo sich die Wiedervereinigung abzeichnete, lautete das Motto „Vom Rand zur Mitte“, mit dem die neue Situation prägnant auf den Punkt gebracht wurde. Die Banane, die DDR-Bürger im Westen kauften, wurde gleich zum Logo des Jahres gewählt – und zwar in Zusammenarbeit mit Jugendlichen aus dem benachbarten Thüringen.  

Das brandaktuelle Thema zog sich durch das gesamte Festivalwochenende. So fand am Samstag eine Talkshow im Cafézelt mit Vertretern aus Politik, Gewerkschaften und Wissenschaft statt, die zu lautstarker Diskussion führte. Moderiert von Bernd Gieseking wurde die Frage über die Zukunft der Region „Freizeitparadies oder Autobahnraststätte?“ in den Raum gestellt. Die verschiedensten Themen wurden hierbei angesprochen wie „Welche Chancen bietet die Grenzöffnung für Wirtschaftsbeziehungen?“. Um beide Seiten anzuhören, waren Vertreter aus Ost und West vor Ort. Zuvor hatten sich Jugendgruppen mit den Themen Umweltschutz, Rassismus sowie der gemeinsamen Geschichte von Hessen und Thüringen auseinandergesetzt und ihre Ergebnisse in vielfältiger Form präsentiert. Das Festival der Region zählte nun neue Mitglieder, die sofort integriert wurden. Doch Themen waren nicht nur die Chancen für kulturellen und wirtschaftlichen Aufschwung, kritisch betrachtet wurden auch mögliche Risiken und Schwierigkeiten, wie die steigende Verkehrsbelastung. Besucher, die sich nicht mit dem Thema Grenzöffnung auseinandersetzen wollten, konnten einiges unternehmen. Die etwa 150 Organisatoren schafften es erneut, allerhand Künstler nach Eschwege zu locken. Neben den alljährlichen Auftritten von regionalen Jugendgruppen und Initiativen mit ihren Theateraufführungen sowie ihren musikalischen und medialen Produktionen konnte auch ein echter Hochkaräter für das Festival gewonnen werden, mit dessen einhergehendem Besucherandrang man sicherlich gewusst hätte umzugehen: Udo Lindenberg wurde als Headliner bestätigt. Die Freude währte nur kurz, denn aufgrund der Geburtstagsfeier seiner Schwiegermutter nahm dieser die Zusage zurück. Ein Ersatz wurde in Phillip Boa & the Voodoo Club gefunden, die Freitagabend 2500 Zuschauer begeisterten. Mit „Container Love“ hatte die Band gerade einen internationalen Hit gelandet. „Die Atmosphäre des Festivals ist wirklich riesig“, sagte Boa. „Recht hat er“, antwortete die Hessisch/Niedersächsische Allgemeine. 

Unter Beweis stellte dies auch das Programm am Samstagabend. Nach Roger Chapman nahm die spanische Akrobatikgruppe „La Burbuia Teatro“ das gesamte Werdchen für sich ein. Mit einzigartigen Kostümen und knallender Pyrotechnik begeisterte sie die Menge so sehr, dass ein Journalist der Werra-Rundschau in seinem Artikel allen Beschwerden über Lärmbelästigung die Daseinsberechtigung zu Gunsten dieses „aufregenden und wundervollen Theaters“ absprach. Sonntagnachmittag schloss die hannoversche Rockformation „Fury in the Slaughterhouse“ das sechste Open-Flair-Festival. Dank fleißiger ehrenamtlicher Helfer, die teilweise ihren kompletten Jahresurlaub opferten oder gar ein ganzes Studiensemester für dieses Event in den Wind schossen, konnten die Besucher zahlreiche Acts auf vier Bühnen für gerade einmal 29 D-Mark genießen.
Von Laura Müller

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