Cookies helfen uns bei der Bereitstellung unserer Dienste. Durch die Nutzung unserer Dienste erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Mehr erfahren
7.-11. August 2019
Eschwege, Germany

Open Flair Festival 1989

5. Open Flair Festival
14.07.1989 - 16.07.1989

Im Zeichen der DDR

Festival widmet sich der absehbaren Wiedervereinigung 

Das 5. Open Flair im Jahr 1989 stand ganz im Zeichen der DDR. Angekündigt wurde dieses Thema bereits Ende Juni mittels Literaturanschlägen in der Eschweger Innenstadt. Einige Tage stand eine Holzwand in der am Stad, „deren Sinn dem Betrachter bisher noch nicht ganz klargeworden sein dürfte“, berichtete die HNA darüber. Schließlich wurde das Geheimnis gelüftet, dass die Organisatoren so auf das Thema aufmerksam machen wollten. Jeden Tag wurden an diesen Brettern Auszüge aus DDR-Lyrik gezeigt, mit denen die Entwicklung der Literatur „jenseits des Zauns“ aufgezeigt werden sollte. Bei den weiteren Vorbereitungen zum Festival stießen die Organisatoren auf einige Hindernisse. Es gab viel Ärger und Unmut über die Werbung durch Plakate, die auf das Flair hinwiesen. Der Bauhof hängte eine Reihe von Plakaten trotz erteilter Sondergenehmigung ab. In dieser Genehmigung war das Plakatieren von Laternen nicht ausdrücklich untersagt, dennoch empfand der Erste Stadtrat Matthias Sadowsky, dass es das makellose Stadtbild störte, und so mussten die Plakate weichen.

Der Auftakt fand traditionell in der Innenstadt statt. Das N.N. Theater führte das Programm „Alcestes Rückkehr oder Endstation Waschsalon“ auf. Mehrere hundert Besucher verfolgten die „einzige griechische Tragödie mit Happy End“ am Obermarkt. Weiterhin stand der Freitag unter dem Motto „Die Stadt gehört den Kindern“, was mit dem Auftritt der Gruppe Brummkreisel eröffnet wurde. Am Freitag waren die musikalischen Höhepunkte vor allem Hermann Brood mit seiner Band Wild Romance und The Other Ones, die vor allem durch ihren Hit „Holiday“ bekannt waren. Im Bereich der Kleinkunst stach vor allem Dietrich Kittner, der mit seinem politischen Kabarett zu den Besten seiner Branche gehörte, mit dem Programm „Hai-Society“ heraus. Er konnte allerdings seine letzte Nummer nicht zu Ende bringen, da Hermann Brood bereits zu spielen begannen und das, trotz dessen erstmals keine parallel laufenden Programmpunkte vorgesehen waren. So hatte schon früher an diesem Tag Bernd Gieseking die undankbare Aufgabe, für Verständnis zu sorgen, dass Auftritte nicht weiter überzogen werden konnten. Zum Abschluss des ersten Tages strengte das Trio Blamage die Lachmuskeln an.

 Der zweite Festivaltag stand ganz im Zeichen des gewählten Themas. Deshalb waren viele Künstler aus der DDR eingeladen worden. Hier ist vor allem Arno Schmidt zu nennen, der Samstagabend mit seinen Melodien und mutigen Texten zu beeindrucken wusste und unterstrich, warum er in der DDR bereits eine gefeierte Musikgröße war. Weiter war es Gina Pietsch, die Teile ihres Programms „Kinobesuch“ zeigte. Aber auch Circus Lila begeisterte. Mit „ihrem Lied-Theater-Programm, das Heiteres mit Kritischem zu vermischen verstand“ unterhielten sie die Zuhörer, beschrieb die HNA den Auftritt. Aber auch abseits der Bühnen wurde das Thema DDR in verschiedenster Weise aufgegriffen. Sei es in der Talkshow mit dem Literaturpreisträger der DDR Gunther Breuß oder mit der bundesweiten Premiere der Dokumentation „Flüstern & Schreien“, die zeigte, was Rockmusik und Jugendkultur in der DDR ausmacht, bereits im Vorfeld. Ebenfalls am Samstag sorgte die französische Truppe Jo Bithume für einen Auftritt, der in der fünfjährigen Flair-Geschichte seinesgleichen suchte. „In einer atemberaubenden Mischung aus Akrobatik, skurrilen Monsterzähmungen, Märchen, Fabeln und Slapstick brachten sie das Publikum in Wallungen“, heißt es in den lokalen Medien. Wolf Maahn, der eigentliche Star des Festivals, hatte es so nach dieser spektakulären Show sicher nicht leicht, das Publikum auf seine Seite zu ziehen. Doch in seiner altbewährten Manier begeisterte er mehr als 3.000 Besucher.

Herausragend waren auch wieder die vielen Auftritte regionaler Theatergruppen. Allen voran die Truppe Mupfsag & I, die schon zu den Stammgästen zählen, aber auch Frech & Co, die mit dem Stück „Rock wie Hose“ mit einigen Klischees aufräumten. Ein weiteres Highlight war die Gestaltung des Geländes durch die Kasseler Künstler Ernst.-H. Gross und Daniel Rothen. Durch ihre Skulpturen, Kulissen und Arrangements boten sie den Besuchern schon beim Betreten des Festivals Ungewöhnliches. Zutreffend fasst die Stattzeitung aus Kassel das Festival zusammen: „Aus den Anfängen 1985 auf Burg Ludwigstein ist ein durchorganisiertes, weit über die Grenzen des Werra-Meißner-Kreises hinaus bekanntes Festival geworden.“
Von Vanessa Rheinländer

Immer auf dem Laufenden bleiben mit unserem Newsletter